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Die »Zeitschrift für Heereskunde« Ausgabe 485

Juli/September 2022 - Auszüge -


AUS DER REDAKTION

Die im vorliegenden Heft vorhandene Themenvielfalt ist auf den Fleiß und Ideenreichtum sowie das Engagement unserer Mitglieder zurückzuführen. Sie werden in diesem Heft neben einigen neuen Autoren auch wieder langjährige und bewährte Autoren finden. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich vom 18. Jahrhundert bis in die 1950er-Jahre.

Wir als Redaktion können aber nur Beiträge zu einem Heft zusammenstellen, die uns zugesandt werden. Aus diesem Grund nützen an uns herangetragene Wünsche zu bestimmten Themen wenig. Weiterhin werden Themen wie beispielsweise Reichswehr, Wehrmacht, bewaffnete Organe der DDR und Bundeswehr sowie Schusswaffen wenig bis gar nicht bearbeitet. Dennoch können wir im vorliegenden Heft einige Beiträge hierzu veröffentlichen.

An dieser Stelle soll neben dem Aufruf zum Forschen und Schreiben auch an die Geduld der Autoren und gern auch Autorinnen appelliert werden. Der Platz in jedem Heft ist zum einen endlich und zum anderen versuchen wir als Redaktion, in jedem Heft eine abwechslungsreiche Mischung an Epochen und Themen zu bieten.

Interessante Ansätze bieten immer wieder auf den ersten Blick schwierig einzuordnende Objekte, wie die Feldmütze des Prinzen Ludwig von Hessen oder Fotos, wie das eines Soldaten eines preußischen Garnison-Bataillons 1870/71. Auch die Erkundung von Gefechtsfeldern
bietet mitunter interessante Erkenntnisse. Aus diesem Grund veröffentlichen wir einen Beitrag über ein Gefechtsfeld des Herero-Aufstandes im heutigen Namibia. Einzuordnen ist dieses Gefecht in den großen Zusammenhang der blutigen Kolonialgeschichte, deren Auswirkungen noch heute in der deutschen Außenpolitik spürbar sind. Auch lohnt mitunter ein Perspektivwechsel von der Sicht des damals in den Kolonien eingesetzten Soldaten zu den um ihre Heimat kämpfenden Herero und Nama.

Leider ist die heutige Zeit nicht friedvoller. Vielleicht hilft das vorliegende Heft bei der Ablenkung und Entspannung. Dies wünschen

Ihr Werner Trolp und Ulrich Herr


Militärgeschichte

Burkhart Rüchel, Potsdam:
Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika:
Das Landungskorps von SMS Habicht im Spiegel von Bodenfunden

Auf mehreren Reisen durch Namibia, dem ehemaligen Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika, suchte ich verschiedene Gefechtsfelder des Herero-Aufstandes auf, darunter auch zwei auf denen das Landungskorps der „Habicht“ kämpfte. Mein Anliegen war, diese Orte zu lokalisieren und mittels entsprechendem Fundmaterial das historische Geschehen zu belegen. Ich beschränke mich hier auf das Gefecht am Lievenberg.

Abb.: SMS Habicht um 1900 [Zeitgenössische Postkarte].

Vorgeschichte

Zu Beginn des Herero-Aufstandes Anfang Januar 1904 befand sich der größte Teil der Schutztruppe mit dem Gouverneur Theodor Leutwein im Süden des Schutzgebietes weitab vom Aufstandsgeschehen. Es war erforderlich, umgehend Truppen in die Mitte des Landes zu verlegen, als „Feuerwehr“ wurde das gerade zur Überholung in Kapstadt aufliegende Kanonenboot SMS Habicht telegraphisch nach Südwestafrika beordert mit dem Auftrag:

– Übernahme des Kommandos über die Schutztruppe Deutsch-Südwestafrika durch den Kommandanten der „Habicht“, Korvettenkapitän Hans Gudewill (1866–1904),
– Aussetzen eines Landungskorps von 54 Mann (darunter einem Arzt) unter Führung des 1. Offiziers, Kapitänleutnant Hans Gygas (1872–1963),
– Einsatz des Landungskorps in Karibib zur Sicherung des Ortes,
– Sicherung der Bahnstrecke Swakopmund-Karibib.

Am 18. Januar 1904 traf das Kanonenboot in Swakopmund ein. Außer Gewehren bestand die Bewaffnung des Landungskorps aus fünf Revolverkanonen und zwei Maschinengewehren. Das Maschinenpersonal der „Habicht“ unterstützte das Bahnpersonal bei der Reparatur von Lokomotiven und Bahnmaterial, auch die Wiederherstellung und Sicherung der Bahnlinie Swakopmund-Windhuk hatte für den Einsatz nachfolgender Truppen äußerste Priorität....


Uwe Poblenz, Schwerin:
Bernhard von Hirschfeld –
Soldat, Hofbeamter und Gegner des NSDAP-Gauleiters Hildebrandt

Abb.: Uniformensemble für Flügeladjutanten des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin. Den dunkelblauen Waffenrock mit versilberten Knöpfen und Silberlitzen zieren ponceaurote Kragen, Ärmelaufschläge sowie Vorstöße. Die Ärmelpatten in der brandenburgischen Form waren dunkelblau und ponceaurot vorgestoßen. Die Flügeladjutanten trugen die Schärpe zum Dienst um den Leib und nicht über die rechte Schulter.

Viele Gräber von bedeutenden Persönlichkeiten sind im Laufe der Zeit auf dem Alten Friedhof in Schwerin vor allem im Gräberfeld IVa, einem der ältesten Bestattungsorte auf dem Friedhof, verschwunden. Eines, von dem hier Berichtet werden soll, ist erhalten und kennzeichnet den Bestattungsort von Teilen der Familie von Hirschfeld. Diese Familie stellte in der Vergangenheit immer wieder Soldaten für das Herzogliche bzw. Großherzogliche Mecklenburgische Militär und Beamte für den Hof des Großherzogs.

Bevor wir uns Bernhard von Hirschfeld widmen, zwei Beispiele: Der Großvater Ludwig Friedrich Otto Alfred von Hirschfeld (15.03.1803–19.09.1842) war Flügeladjutant und zum Schluss Major. Der Onkel Ludwig von Hirschfeld (01.10.1842–17.10. 1896) ist der Autor des Buches „Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin und seine Vorgänger. Nach Staatsakten, Tagebüchern und Korrespondenzen“. Widmen wir uns nun dem Leben des Bernhard Karl Emil Felix von Hirschfeld, so sein voller Name. Er wurde am 23. Mai 1869 in Schwerin als Sohn des Hofmarschalls Paul Allrandt Ludwig Vollrath von Hirschfeld (1838–1903) und dessen Ehefrau Therese geborene Freifrau von Brusselle-Schaubeck (1844–1926) geboren. Die Familie wurde durch die Schwester Josephine und den Bruder Alexander Wilhelm Adolf Ludwig vervollständigt. Nach Erziehung im elterlichen Haus, dem Besuch des Gymnasiums in Bad Doberan sowie Schwerin ging Bernhard von Hirschfeld an die Kadettenanstalt Plön und später an die Hauptkadettenanstalt Groß Lichterfelde. Am 22. März 1889 wurde er als Fähnrich dem Großherzoglich Mecklenburgischen Grenadier-Regiment Nr. 89 in Schwerin überwiesen und vier Tage später er folgte seine Vereidigung. Damit begann seine militärische Laufbahn, die bis zum Ende des Jahres 1912 andauern sollte und mit dem Wechsel in den Staatsdienst endete. Über die normalen Stationen Portepeefähnrich (15.10.1889) und Second-Leutnant (10.09.1890) verlief die Karriere bis zum 5. August 1898 normal. An diesem Tag erfolgte der Einsatz als Ordonnanz-Offizier während der Dauer des Kaisermanövers (3. bis 9. September 1898) bei seiner Herzog Johann Albrecht, Regent des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin...


Klaus-Ulrich Keubke, Schwerin:
Generalleutnant Kurt-Jürgen Freiherr von Lützow (1892–1961) –
ein deutsches Soldatenschicksal

Abb.: Generalleutnant von Lützow kurz nach seiner Gefangennahme mit dem KPD-Funktionär Gustav Sobottka (1886–1953) [Archiv Keubke].

Zu den Persönlichkeiten, die zwar einer mecklenburgi schen uradligen Familie entstammten, aber nie direkt in Mecklenburg wirkten, aber für eine bestimmte Zeit eine enge Beziehung zu den Mecklenburgern hatten, gehört Kurt-Jürgen Henning Bruno Robert Freiherr von Lützow. Er wurde am 7. August 1892 in Marienwerder (Ostpreußen) geboren. Seine Eltern waren der preußische Offizier Henning Freiherr von Lützow (später Gene ralmajor; geb. 27. Juli 1862 in Berlin; gest. 6. September 1941 in Frankfurt/Oder) und Elisabeth, geb. von Wedel (geb. 20. August 1870 in Köln; gest. 2. November 1940 in Frankfurt/Oder). Er hatte drei Geschwister, nämlich Henning Vicco Vivigenz (geb. 18. September 1893 in Ratibor, gefallen als Leutnant am 22. September 1914 vor Verdun), Ursula Elisabeth Margarete (geb. 22. August 1895 in Ratibor, Sterbedatum nicht zu ermitteln) und Heinz-Joachim Henning Hans Alfred (geb. 26. Ok tober 1897 in Ettlingen, gest. 14. Januar 1988; im Zweiten Weltkrieg schwer verwundet). Kurt-Jürgen Freiherr von Lützow blieb unverheiratet.

Die militärische Laufbahn Lützows verlief bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wenig spektakulär. Sie ähnelte der vieler vor 1900 geborener Offiziere....


Uniformkunde

Gregoire Spiesser, Anjou (Frankreich) und Markus Stein, Berlin:
Die Feldmütze des Prinzen Ludwig von Hessen
aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71

Für jeden Sammler übt es eine große Faszination aus, anhand eines konkreten Objektes Geschichte zu erleben. Die Kenntnis über den früheren Besitzer einer Uniform, einer Kopfbedeckung, eines Ordens oder auch Soldaten auf Fotografien können einen Ausgangspunkt für eigene weitere Recherchen bilden. Der Deutsch-Französische Krieg bleibt ein spannendes Rätsel, da Uniformstücke der deutschen Truppen, insbesondere solche aus Stoff und Tuch, selten sind.

Abb.: Feldmütze für hessische Generale um 1870/71. Deren Mütze bestand aus dunkelblauem Tuch und zeichnete sich durch karmesinrote Vorstöße aus.
[Foto: G. Spiesser]

Umso mehr war einer der Autoren (Spiesser) von einer Feldmütze fasziniert, die Anfang Dezember 2021 bei einer Auktion in Frankreich angeboten wurde. Der schmale Augenschirm passt zur Epoche um 1870 und die spezifische Kokarde des Großherzogtums Hessen schien auf eine Kopfbedeckung aus der Zeit des Konflikts Napoleons III. mit den deutschen Staaten hinzuweisen. Am faszinierendsten ist aber eine handgeschriebene Notiz, die an der Innenseite des Mützenfutters angebracht ist und deren altdeutsche Schrift für einen Franzosen kaum zu entziffern ist. Gerade die Ziffern „1870–1871“ und die Worte „Ludwig von“ konnten identifiziert werden und damit auf einen hessischen Adligen hinweisen.

Es gelang dem Autor, die Feldmütze bei der Auktion zu erwerben und die weitere Recherche nach deren Provenienz konnte beginnen...


Ordenskunde

André König, Berlin:
Aus der Berliner Zeughaussammlung – Eine ungewöhnliche Ordensschnalle

Am 1. August 1935 wies die Fachzeitschrift „Uniformen-Markt“ seine Leser auf eine kleine, aber feine Sonderausstellung im Berliner Zeughaus hin. Mit dieser Ausstellung zur preußischen und späteren Reichsrettungsmedaille habe diese Auszeichnung als „Sinnbild heldischen Geistes“ seinen „verdienten Ehrenplatz“ im Zeughaus gefunden.

Nicht nur für phaleristisch interessierte Besucher gab es 1935 ganz besondere Exponate zu sehen. Herausragendes Objekt war die ungewöhnliche Ordensschnalle des Kapitänleutnants a.D. Wittmer...

Abb.: Blick in die Rettungsmedaillen-Ausstellung 1935 im Zeughaus Berlin.
[Bildarchiv / Glasplattenarchiv Deut. Hist. Museum]

Blankwaffen

Bernd A. Windsheimer, Ortenburg:
Die Sache mit dem „Judensäbel“ –
Ein altpreußischer Husaren-Offizierssäbel von 1761

Die preußische Husarenwaffe wurde von Friedrich dem Großen während des Ersten Schlesischen Kriegs (1740–1742) enorm aufgewertet und war schon ab Winter 1741 von zwei Regimentern innerhalb von zwei Jahren auf acht Regimenter erhöht worden. Ihre Offiziere konnten bis in die 1770er Jahre ihre Seitenwaffe nach eigenem Geschmack und Geldbeutel wählen. Auch das Material des Säbelgriffs – Eisen oder Messing – unterlag keiner zwingenden Vorschrift, wenngleich es Usus war, sich nach der Farbe der Uniformknöpfe und Abzeichen des Regiments zu richten. Musste aber nicht sein: So führte der Chef von H 3 v. Wartenberg (bis 1757) einen eisen montierten Säbel. Auch der bis in die 1940er Jahre im Berliner Zeughaus aufbewahrte persönliche eisenmontierte Säbel des Husarengenerals und Chef von H 2 Joachim von Zieten bestätigt die Ausnahme von der Regel: Eisen statt Messing! Dieser Säbel, von dem leider nur noch ein Schwarz-Weiß-Foto existiert, lehnt sich bezüglich der Form von Gefäß, Klinge und Scheide sehr stark an das Mannschaftsmuster von 1742 an. Dies gilt auch für den hier vorliegenden Offizierssäbel (Abb.)...

Abb.: Husaren-Offizierssäbel von 1762 mit zugehöriger Holz-Leder-Eisenscheide.
[Ausgestellt im: Armeemuseum Friedrich der Große, Plassenburg ob Kulmbach, Vitrine Nr. 36]

Abb.: Terzseitige Ätzung: Mit Säbel drohender Husar (Offizier?) unter Trophäenbündel und „Exequirung EINES IUDEN“; darunter knieender Jude, mit wertvollem Pelz bekleidet, der ihm einen Beutel mit Geld als Tribut oder Schutzgeld entgegenstreckt.

Frank-D. Rex, Wertheim:
Eine kurze Formationsgeschichte der preußischen Fußjäger und zwei Degen ihrer Offiziere

Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst (1640–1688) befahl 1656 (Zweiter Nordischer Krieg 1655–1660) seinem Oberjägermeister Jobst v. Hertefeld dafür zu sorgen, dass die den Oberförstern „in der Alten-, Mittel- und Neumark untergegebenen Jägerpursche sich mit guten Pferden und Gewehr gefaßt machen und in unserer Bereitschaft stehen sollen, weil von Groß-Pohlen her ein Einfall der Polen in Preußen und Neumark zu befürchten steht“. Auch im Holländischen Krieg (1672–1678) setzte die brandenburgische Infanterie in ihren Kompanien Jäger als Scharfschützen ein, die gezielt gegnerische Offiziere bekämpfen sollten.

Unter Friedrich II. (1740–1786) wurde im Ersten Schlesischen Krieg (1740–1742) eine Abteilung von 60 Jägern geschaffen, deren primäre Aufgabe die Aufklärung und das Erkunden von Marschrouten war. Zu Beginn des Zweiten Schlesischen Krieges (1744–1745) wurde mit Königlicher Ordre vom 15. Juni 1744 ein Corps Feldjäger zu Fuß in Stärke von 144 Mann aufgestellt....

...In der Literatur wird darauf hingewiesen, dass die Jägeroffiziere Friedrichs II. und seines Nachfolgers Friedrich Wilhelms II. (1786–1797) ein eigenständiges Degenmodell führten. Im Gegensatz zu dem herkömmlichen Infanterie-Offizierdegen mit seinem facettierten Knauf hatten diese einen oval-kugelförmigen Knauf, der mit Jagdhörnern und den königlichen Initialen verziert war. Die Frage, ob tatsächlich alle Jägeroffiziere Degen mit diesen Attributen geführt haben, wird abschließend genauso wenig zu klären sein wie der mögliche Zeitpunkt ihrer Einführung. Da das Offizierskorps der Fußjäger, wie oben ausgeführt, sehr klein war, ist die Anzahl der bekannten noch erhaltenen Degen dieser Art überschaubar. Zwei dieser Waffen werden nachfolgend vorgestellt...

Abb.: Degen für einen Jägeroffizier aus der Regierungszeit Friedrich II. (1740–1786). Gefäß aus Tombak mit der Klingengravur FR. Knauf mit der Ligatur FR und einem Jagdhorn.
Abb.: Degen für einen Jägeroffizier um 1800. Messinggefäß mit der gekrönten Klingengravur FWR. Knauf mit der gekrönten Ligatur FWR und einem Jagdhorn.
[Fotos vom Verfasser]

Kavallerie-Offizier-Interimsäbel mit Jagdhorn

Der hier im Detail kurz vorgestellte Offiziersäbel gehört zum Bestand des Schwarzburger Zeughauses.

Eine Scheide ist nicht mehr vorhanden.

Auf der Klinge befindet sich der Name „Freiherr von Imhoff“ und weist auf den früheren Eigentümer hin: Willibald Freiherr von Imhoff (1862–1953), von 1899 bis 1914 Flügeladjutant des Fürsten zu Schwarzburg-Rudolstadt...

 

 

 

Abb.: Detailaufnahme des Kavallerie-Offizier-Interimsäbels des Freiherrn von Imhoff.
[Schwarzburger Zeughaus, Inv.-Nr.: Oss 3170]


Walter Meier, Ahnsen:
Der 1849 eingeführte schaumburg-lippische Hirschfänger

Im Rahmen der Änderung der Uniform der schaumburg-lippischen Jägertruppe im Jahre 1849 (Näheres siehe Zeitschrift für Heereskunde Nr. 479, S. 2ff) wurde auch der seit 1824 getragene Infanterie-Säbel abgelegt und durch einen Hirschfänger ersetzt. Dieser Hirschfänger soll Gegenstand dieser Ausarbeitung sein.

Bei dem 1824 eingeführten Infanteriesäbel hatte man sich von Preußen ein dort seit 1818 verwendetes Muster besorgt und im eigenen Land nachgebaut, da der regierende Fürst Georg-Wilhelm sehr sparsam war. Es lag da her nahe, mit dem zur Einführung bestimmten Hirschfänger ebenso zu verfahren. Die Klinge sollte in dem zum herrschaftlichen Besitz gehörenden Eisenhammer, in der Nähe der Arensburg an dem Flüsschen Aue gelegen,erfolgen...

...Das Gefäß des Hirschfängers sollte dagegen von dem aus Rinteln stammenden Gelbgießer Johannes Valerius Solveen, in Bückeburg in der Schulstraße 9 ansässig, an gefertigt werden. Die Scheiden wurden von verschiedenen Sattlern in Bückeburg und Stadthagen angefertigt. Nachweisen lasse sich hier die Sattler Kemmer, Hartmann und Thielemann. Die Scheidenbeschläge fertigten hauptsächlich der Gürtler Solveen und der Büchsenschäfter Mühlmeister.

Insgesamt entstanden 309 Stück...

Abb.: Der 1849 eingeführte Hirschfänger, linke und rechte Seite. [Fotos: Verfasser]

Roland K. Edelmann, Butzbach:
Ein schwierig zu bestimmendes Foto – Soldat eines Garnison-Bataillons 1870/71
Porträtfotos aus den Einigungskriegen

(Teil 6 und Schluss)

Abb.: Das im Mittelpunkt dieses Beitrags stehende Foto im carte-de-visite-Format. [Sammlung A]

Es handelt sich hier um ein etwas rätselhaftes aber durchaus interessantes Foto. Es soll nun versucht werden, an Hand verschiedener Details von Uniformierung, Ausrüstung und Bewaffnung die Zugehörigkeit des abgebildeten Soldaten zu einem bestimmten Staat und auch zu einer bestimmten Waffengattung herauszufinden sowie die Entstehungszeit dieser Fotografie möglichst eng einzugrenzen.

Die Uniformierung

Der Waffenrock nach preußischem Schnitt – in Preußen am 23.10.1842 auf Grund einer vorangegangenen A.K.O. vom 24.2.1842, welche Versuche hierzu befahl, eingeführt – ist von dunkler Farbe – mit Sicherheit dunkelblau – und hat brandenburgische Aufschläge mit den dafür typischen Patten – hier ohne Vorstoß – von etwas dunkler erscheinender Farbe. Bei Schwarz-Weiß-Fotos deutet dies bekanntlich auf Rot hin. Der Waffenrock machte seit 1842 allerdings eine Reihe von Änderungen durch, wovon die auffallendste die der Ärmel war. Diese waren bisher sehr eng geschnitten gewesen. Nach A.K.O. vom 16.3.1867 waren sie dann deutlich weiter und somit auch bequemer. Der von diesem Soldaten getragene Waffenrock verfügt über diese weiter geschnittenen Ärmel...


Schusswaffen

Peter Meihs, Neumünster:
Die Bewaffnung der schleswig-holsteinischen Infanterie 1848–1851 mit Dornbüchsen

In der Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich in allen Armeen die Bewaffnung der Infanterie. Lange Zeit war alles beim Alten geblieben – die Heere des „Alten Fritz“ und Napoleons I. waren mit glattläufigen Steinschlossgewehren ins Feld gezogen. Wegen der Verkrustung des Laufinneren durch die unvollkommene Verbrennung des Schwarzpulvers mussten die Bleikugeln etwa 2 mm kleiner sein als das Laufkaliber. Die Schusspräzision war dadurch miserabel, aber der Soldat konnte zwei- bis dreimal pro Minute schießen.

Es gab auch Gewehre mit gezogenen Läufen – die schossen genau – aber die Ladeweise war kompliziert und pro Schuss brauchte der Schütze zwei bis drei Minuten. Experten – hauptsächlich in Frankreich – machten sich Gedanken, wie man die Infanterie-Liniensoldaten mit Gewehren mit gezogenen Läufen ausrüsten konnte, die ebenso schnell feuern konnten, wie die glattläufigen Musketen. Man musste einen Weg finden, wie das Geschoss zwar kleiner als das Kaliber des Laufs gehalten werden konnte und sich aber beim Schuss vergrößerte.

Abb.: Schleswig-Holstein, Büchse M 1848 aus Suhler Fertigung und zugehörigem Bajonett (oben); Schleswig-Holstein, Büchse M 1849 aus Lütticher Fertigung mit zugehörigem Faschinenmesser (unten).

Die erste brauchbare Lösung fand der Franzose Louis Étienne de Thouvenin (1791–1882). Hinten in den Lauf platzierte er einen dornenförmigen Amboss. Mittels eines schweren Ladestockes sollte ein massives Blei-Spitzgeschoss zwischen dem Dorn und dem Ladestock durch einige Stöße verbreitert werden und sich so dem Laufprofiel anpassen. Gleichzeitig wurde die Steinschlosszündung durch die Perkussionszündung abgelöst. Diese Umrüstung war im Gange, als im März 1848 die schleswig-holsteinische Revolution ausbrach. Die Preußen lieferten den Rendsburgern zunächst einige tausend glattläufige Perkussions-Infanteriegewehre, die aus alten Steinschlossmusketen umgebaut waren. Aber die Schleswig-Holsteiner wollten moderne Dorngewehre System Thouvenin haben. Mit zögerlicher Duldung aus Berlin durften die Rendsburger im preußischen Suhl Dornbüchsen kaufen – mit einem recht kleinen Kaliber von 16,2 mm. lm gleichen Kaliber lieferte das belgische Lüttich Jägerbüchsen. Die Schleswig-Holsteiner wollten aber auch Dornbüchsen Mod. 1848 im Kaliber 18,2 mm erwerben, aber Berlin verweigerte ihnen die Genehmigung. Die Preußen ließen sich ungern in die Karten sehen, niemand sollte erfahren, wo die Probleme der Waffentechnik der preußischen Infanterie-Waffen lagen.

lm Laufe des Krieges wurde die Hälfte der schleswig-holsteinischen Armee mit Dornbüchsen ausgerüstet...




Außerdem dürfen Sie in Ausgabe 485 erwarten:

  • - Das besondere Bild:
      Spielleute eines preußischen Infanterie- Regiments in historisierender Uniformierung
  • - Käppi für Offiziere des hannoverschen Garde-Regiments 1860 bis 1866
  • - Informationen aus der Gesellschaft und den Arbeitskreisen
  • - Buchbesprechungen / Rezensionen




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