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Die »Zeitschrift für Heereskunde« Ausgabe 474

Oktober/Dezember 2019 - Inhalt -


AUS DER REDAKTION

Weil wir die Vielfalt in unserer Zeitschrift erhalten wollen, haben wir an dieser Stelle wiederholt um Beiträge über bisher wenig behandelte Bereiche gebeten. Dabei wollten und wollen wir von vornherein keinen Zeitabschnitt oder kein Land ausschließen. Nach den Reaktionen auf einen Aufsatz im vorletz ten Heft und auf den hierzu kritischen Leserbrief wer den wir weiterhin Beiträge mit der Sichtweise von Zeitzeugen veröffentlichen. Wegen des Anspruchs der Heereskunde als wissenschaftliches Organ werden wir künftig sensibel darauf achten, dass persön liche Stellungnahmen deutlich kenntlich sind und Aussagen zu Sachverhalten wie gewohnt belegen werden. So wird es uns hoffentlich gelingen, den unterschiedlichen Interessen unserer Leser entsprechende Darstellung zu bieten.

Unter der Rubrik „Aufgelesen“ haben wir aus einem Jugendbuch von 1943 die Darstellung des US-amerikanischen Heeres aufgenommen, die neben Fakten auch eine persönliche Einschätzung des Verfassers aus dieser Zeit enthält. Aus Platzgründen konnten wir nicht den Artikel des Verfassers über das japanische Heer bringen. Der aufschlussreiche Vergleich beider Darstellungen ist vielleicht eine Anregung für einen Beitrag in einem späteren Heft unserer Zeitschrift.

Der Hinweis auf eine Präsentation im letzten Jahr auf der Waffenbörse in Kassel soll zeigen, was durch die Initiative eines einzelnen Mitglieds unserer Gesellschaft möglich ist – und vielleicht eine Anregung für eine Umsetzung an anderer Stelle und mit einem an deren Thema.

Die Betrachtung des Marschzirkels erinnert an eines von vielen Geräten, die für den militärischen Dienst früher selbstverständlich waren, heute aber aufgrund des wissenschaftlich-technischen Fortschritts überholt und vergessen sind.

Wir schließen mit dem Hinweis, dass die angekündigte Aufnahme des Index der Zeitschrift Überall auf der Website unserer Gesellschaft verfügbar ist.

Ulrich Herr und Werner Trolp


Uniformkunde

Wolfgang Friedrich, Dresden:
Französische Kavallerieuniformen zur Zeit der Schlacht bei Roßbach 1757
(Teil 2)

Abb.: Dragoner-Regiment Apchon, Maréchal des logis (dem Sergent der Infanterie entsprechender Unteroffiziersdienstgrad) 1756, Dragoner 1757.

Ulrich Schiers, Detmold:
Das Freiwillige Marine-Fliegerkorps

Abb.: Ärmelabzeichen des Obermatrosen „Lickfett“.
[ Privatbesitz.]

Durch eine Verordnung des Staatssekretärs des Reichs-Marine-Amtes vom 1. Oktober 1914 kam es zur Aufstellung des Freiwilligen-Marine-Fliegerkorps in Berlin-Johannisthal. Alfred von Tirpitz, in seiner Eigenschaft als Staatssekretär des Reichs-Marine-Amts, erließ am 24. Oktober 1914 die „Organisatorische Bestimmungen für die Abteilung Freiwilliges Marine-Fliegerkorps.“

Demnach hatte das Freiwillige Marine-Fliegerkorps, welches „lediglich für den augenblicklichen Krieg“ gebildet worden war, die Aufgabe, Flieger, Mechaniker und Beobachter für die Land- und Wasserflugzeuge bereitzustellen und auszubilden. Das Personal setzte sich in erster Linie aus Kriegsfreiwilligen zusammen, hinzu trat einiges von den Marineteilen gestelltes oder von der Armee übernommenes Personal. Für die beim Fliegerkorps eingestellten Kriegsfreiwilligen und für die von der Armee übernommenen Mannschaften wurde eine eigene Kriegsstammrolle geführt. Die von den Marineteilen für das Fliegerkorps gestellten Leute wurden in der Stammrolle ihres bisherigen Marineteils weitergeführt. Für die Erlangung eines Dienstgrades der Kriegsfreiwilligen galten neben den allgemeinen Beförderungsbedingungen gemäß O.B. § 17, noch die nachstehenden Bestimmungen:...


Gerhard Große Löscher, Göttingen:
Einige Stationen aus dem Leben des hannoverschen Artillerieoffiziers J. C. Ludewig Scharnhorst (1785 – 1869) und seine hinterlassenen militärischen Erinnerungstücke

Abb.: Das hannoversche Offizierkäppi für Stabsoffiziere
[Foto: Kai Winkler, Seevetal]

Vorab sei bemerkt, dass der Name Scharnhorst als Familienname im hannoverschen Lande nicht unüblich ist, wie ein Blick in die Namensregister der Staatshandbücher verschiedener Jahrgänge zeigt und Ludewig Scharnhorst steht in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis zu dem berühmten Gerhard (von) Scharnhorst (1755 – 1813).

 

Zusammenfassung der aktiven Militärzeit nach einem hinterlassenen Tagebuch.

Kurze Zeit in der kurhannoverschen Armee

Im Alter von 16 Jahren wird Ludewig Scharnhorst (künftig abgek. L.S.) anstelle seines zwei Jahre älteren Bruders mit Zustimmung seines Vater Soldat. Im November 1802 bei der Artillerie eingeschrieben und beurlaubt, musste er sich erst am 20. Mai 1803 zum Dienst melden. Die Artillerie befand sich zur Zeit der Militärkonvention von Artlenburg 5. Juli 1803 in Lauenburg. Bei der Auflösung der Armee wurde er dort entlassen und beurlaubt.

In der Kings German Legion (KGL)

Den französischen Werbern entzieht er sich und er lässt sich von zwei ihm bekannten Oberfeuerwerken der ehemaligen kurfürstlichen Armee für England anwerben. Mit 15 Personen ging es am 8. Dezember 1804 von Hannover auf Nebenwegen nach Hamburg-Wilhelmsburg. Dort wurden die künftigen Mitglieder der KGL in einem Gasthaus von hannoverschen Offizieren in Empfang genommen, mit Prisengeldern ausgestattet und nach Husum, damals dänisches Ausland, beordert. Bis Ende Februar 1805 lebte L. S. – nach seiner Schilderung – sehr kommod bei einem Herren von Wohlsen in Koldenbüttel. Über Helgoland gelangte die Gruppe im Wartestand endlich nach England, wo sie am 13. März in Harwich anlandeten. Ein Leutnant Kersting bestimmte L.S. zur reitenden Artillerie, zweite Batterie. L.S schreibt: „… ich mochte die Uniform gern leiden, ließ es mir daher gefallen.“ ...


Ausrüstung

Manfred P. Schulze, Spandau:
Ein Marschzirkel von Carl Brenske

Abb.: Vorder- und Rückseite des Marschzirkels

Abb.: Gesamtansicht Terzseite. Gut zu erkennen ist die Leder scheide mit verdeckten Beschlägen.
[Foto: Sammlung Constantin Schumacher]

Blankwaffen

Jens Wiesberger, Magdeburg:
Versuchs-Seitengewehre
und die frühen Serien-Seitengewehre
zum Infanterie-Gewehr M./71

(Teil 2)

Nachdem in Ausgabe Nr. 473 Juli/September 2019 die erste Gruppe Versuchs-Seitengewehre betrachtet wurde, befasst sich der 2. Teil mit abweichenden Versuchs-Seitengewehren des Infanterie-Seitengewehrs M./71.

Weiterhin sind noch zwei hiervon abweichende Versuchs-Seitengewehre bekannt:

1. Exemplar
Bei Rüdiger W.A. Franz: Preußisch-deutsche Seitengewehre 1807–1945, Band IV: 1871–1883. Schwäbisch Hall 2000, S. 321–325, 375:

Griffkopf alter Art, Griffmaterial Gussstahl, Griff mit 21 Schrägrillen, Haltefeder auf der Quartseite der Parierstange, Klinge wie die im Teil 1 vorgestellten Versuchs-Seitengewehre.

Hersteller: GEBR. WEYERSBERG SOLINGEN

Dieses Versuchs-Seitengewehr weist auf dem Klingenrücken den gleich aussehenden großen Abnahmestempel W mit Krone, den gleichen Zahlenstempel 72 und den gleichen mittleren Stempel des Revisors mit Krone wie die Versuchs-Seitengewehre der Gruppe 1 auf. Außerdem hat es ebenfalls die Serien-Nr. 36 auf der Terzseite der Parierstange wie das eine abgebildete Versuchs-Seitengewehr der Gruppe 1 (siehe ZfH Nr. 473, Teil 1, Abb. 6, S. 155).

Abmessungen dieses Exemplars:
Gesamtlänge ohne Scheide: 607 mm
Klingenlänge: 472 mm
Klingenbreite: 28 mm
Innendurchmesser Parierstangenring: 17,4 mm

2. Exemplar
Dieses Stück hat 1881 eine neue Klinge der Firma GEBR. WEYERSBERG SOLINGEN bekommen und ist somit auf dem Klingenrücken mit dem großen Abnahmestempel...


Sanitätswesen

Dirk Ziesing, Bochum:
Taschentücher aus der Zeit des Burenkriegs

Bedruckte Tücher aus Baumwolle oder Seide wurden im 19. Jahrhundert für die unterschiedlichsten Zwecke hergestellt. So existierten bebilderte Anleitungen für praktische Anwendungen gleichermaßen im zivilen und im militärischen Bereich. Ferner wurden Politiker und gesellschaftliche Ereignisse mehr oder minder ernsthaft durch illustrierte Tücher dargestellt.

Eine Randgruppe bilden schließlich Tücher, deren Verkaufserlöse einem speziellen Zweck zugeführt wurden. Zur Jahrhundertwende gab der Burenkrieg in Südafrika auf beiden gegnerischen Seiten Anlass zur Auflage solcher Spendentücher...

Abb.: Dieses englische Taschentuch wurde von der „Daily Mail“ Ende 1899, also kurz nach Ausbruch des Burenkrieges, herausgebracht. Der Verkaufserlös diente zur Unterstützung der Angehörigen von Soldaten, die nach Südafrika entsandt waren.
[Privatsammlung.]

Schusswaffen

Bernd A. Windsheimer, Ortenburg:
Altpreußisches Versuchssteinschloss für das Infanteriegewehr M 1740

Abb.: Steinschloss für das altpreußische Infanteriegewehr M 1740, Fertigung vor 1775.

Die Musketen des 18. Jahrhunderts waren in ganz Europa ausschließlich Vorderlader und die Ladung wurde durch das sogenannte Steinschloss gezündet. Dieses beruhte auf dem Prinzip der Funkenbildung durch Reibung eines Feuersteins auf einer gehärteten Stahlfläche, dem Batteriedeckel. In Preußen war das Steinschloss vom Modell 1713 („Henoul-Gewehr“) bis zum Nothardt-Gewehr M 1801 keinen gravierenden Veränderungen unterworfen (siehe Abb. oben), wenn man frühen Versuchen mit einem seitlichen Feuerschirm absieht. Dieses Steinschloss zeigte in der Praxis aber zwei Schwachstellen auf: Der schwanenhalsförmige Hahn brach an der dünnsten Stelle immer wieder ab und die Halteschraube für den Batteriedeckel konnte sich durch den Aufprall des Hahns mit dem Feuerstein verbiegen, wodurch der Idealwinkel des Batteriedeckels für die Funkenbildung nicht mehr gegeben war. Im schlimmsten Fall konnte die Schraube abbrechen und damit das Gewehr im Gefecht völlig unbrauchbar machen.

In Frankreich half man letzterem Problem dadurch ab, dass man bei der Infanteriemuskete M 1754 die Pulverpfanne nach vorne durch einen Steg so weit verlängerte, dass dadurch die Batterieschraube sowohl im Schlossblech als auch in einer Ausbohrung dieser Verlängerung lagerte und dadurch nicht mehr verbogen werden konnte. Über 20 Jahre später übernahm man diese Vorrichtung beim legendären Modell 1777 und beseitigte mit einem herzförmig ausgeformten Hahn den möglichen Bruch an der Schwachstelle. Zusätzlich wurde die korrosionsanfällige eiserne Pfanne durch eine Messingpfanne ersetzt. Wie richtungsweisend diese Erfindung war, das zeigt die Tatsache, dass noch 37 Jahre später bei der französischen Garde du Corps-Pistole M 1814 ein völlig baugleiches Schloss verwendet wurde. Österreich führte den Steg erstmals bei der „Commiss-Flinte“ M 1774 ein.

Alle diese Neuerungen im Laufe des 18. Jahrhunderts schienen offensichtlich an Preußen vorübergegangen zu sein. Jahrelang schlummerte im Depot des Armeemuseums Friedrich der Große, Plassenburg ob Kulmbach, ein einzelnes Steinschloss, dessen Besonderheit erst kürzlich auffiel...


Militärgeschichte

Jochen Gräwe, Bielefeld:
Ein zeitgenössischer Kriegsbericht von 1866

Während des Deutschen Krieges von 1866 hat ein einfacher Soldat seine Erlebnisse in einem kleinen Heft niedergeschrieben und so der Nachwelt seine Eindrücke hinterlassen. Sehr detailliert beschreibt er die Ereignisse von der Mobilmachung bis zur Schlacht von Königgrätz.

Abb.: Aufzeichnungen im Original.

Franz Ludwig Kottmann wurde am 10. Mai 1841 in Holtkamp bei Bielefeld auf einer landwirtschaftlichen Besitzung geboren. Am 17. Oktober 1864 trat er als Rekrut in das Hohenzollernsche Füsilier-Regiment Nr. 40 / 7. Kompanie ein. Die Garnison war Trier.

Der Inhalt des Heftes wird nun wörtlich aus der deutschen Schrift transkribiert wiedergegeben. Die mitunter etwas komplizierte Schreibform macht das Lesen schwierig. Das ist aber zu entschuldigen; denn wir haben es hier weder mit einem Regimentsschreiber noch mit einem Akademiker zu tun, sondern mit einem Ackersmann, der aber über eine verhältnismäßig gute Bildung verfügt haben muss. Ihm schien es wichtig gewesen zu sein, möglichst genau die von ihm wahrgenommenen Ereignisse aufzuschreiben...


Luftfahrt

Manfred P. Schulze, Spandau:
Ein Denkmal für den Flieger von Tsingtau

Während in der Bundesrepublik die Erinnerungen an Deutschlands große Dichter, Denker, Entdecker, Wissenschaftler und Kriegshelden langsam in Vergessenheit geraten, erinnert man sich in anderen Ländern der Welt bis heute durchaus positiv an die Taten von Deutschen.

In jedem Land und in jeder Stadt Süd amerikas gibt es eine Straße, einen Platz oder eine Universität, die nach dem preußischen Wissenschaftler und Naturforscher Alexander von Humboldt benannt ist. Genauso kennt jedes Kind in Chile und Argentinien den Namen des Deutschen Fliegers, der für die Entwicklung von Patagonien, dem südlichsten Ende des südameri kanischen Kontinents entscheidende Pionierarbeit geleistet hat.

Gunter Plüschow, der als „Flieger von Tsingtau“ in die Geschichte der frühen deutschen Militärfliegerei einging, ist der Name dieses deutschen Helden.

Der 1886 geborene Gunter Plüschow begann seine militärische Laufbahn in der Kaiserlichen Marine, wo er den Rang eines Kapitänleutnants erreichte. Bei der Aufstellung der neuen Fliegerformationen war er einer der wenigen, die eine Ausbildung zum Piloten erhielten. Sein erstes Kommando führte ihn in das deutsche Schutz ge biet Tsingtau, wo er als Aufklärungsflieger eingesetzt wurde. Während der Besetzung des Gebietes durch die Japaner gelang es ihm durch eine abenteuerliche Flucht, mit dem einzigen Flugzeug der Kolonie, einer „Rumpler Taube“ zu entkommen. Über Shanghai, die USA, England und Holland kehrte er nach Deutschland zurück...

Abb.: Das neue Denkmal neben der alten Erinnerungstafel.

Aufgelesen:

Das Heer der Vereinigten Staaten
in: „Durch die weite Welt. Ein Buch für jeden Jungen. Bd. XX (1943)“




Außerdem dürfen Sie in Ausgabe 474 erwarten:

  • - Informationen aus der Gesellschaft und den Arbeitskreisen
  • - Buchbesprechungen / Rezensionen
  • - Heereskundliche Ausstellungen:

    Ausstellung Portepeemann
    Auf der Waffenbörse 2018 in Kassel hat der Aussteller Franz Thelen (Mitglied unserer Gesellschaft) sich seinen Beinamen als „Portepeemann“ wirklich verdient. Vier Vitrinen gegenüber seinem Verkaufsstand zeigten eine beeindruckende Auswahl dieser Ausrüstungsstücke. Unter den rund 200 Exponaten deutscher Kontingente beeindruckten wirkliche „Highlights“: ein preußisches Offizier-Portepee von ca. 1780, eine preußische Ehrentroddel von 1809, eine gesiegelte Mannschaftstroddel von 1820 und diverse von deutschen Schutztruppen in den Kolonien verwendete Stücke. Dazu wurde ein Musterbuch einer Herstellerfirma aus Weißenburg ca. 1890 ausgestellt, das genaue Anweisungen für die Anfertigung enthält.




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