Start 
 Über uns 
 Aktuelles 
 Arbeitskreise 
 Termine 
 Zeitschrift 
 Sonderausgaben 
 Ausstellungen 
 Fundgrube 
 Forum 
 Kontakt 
 Mitgliedsantrag 
 Links 
 Impressum 
 
 

Die »Zeitschrift für Heereskunde« Ausgabe 466

Oktober/Dezember 2017 - Auszüge 1 -


AUS DER REDAKTION

Mit diesem Heft können wir als Redaktionsteam auf sieben von uns gestaltete Jahrgänge der Heereskunde zurückblicken. Wir freuen uns und sind dankbar, dass wir auch im „verflixten 7. Jahr“ wie in den anderen zuvor vertrauensvoll und uns gegenseitig ergänzend zusammenarbeiten konnten. Unser besonderer Dank gilt jedoch den Autoren, die unsere Arbeit unterstützt haben. Manche von ihnen mussten auf die Veröffentlichung ihres Beitrags lange warten, weil wir uns bemühen und auch in der Lage sind, den Inhalt unserer Hefte vielseitig zu gestalten und nicht die Eingänge chronologisch abzuarbeiten.

Nach 11-jähriger Pause können wir wieder etwas von der Schweizergarde in Rom bringen, die nicht nur Aufmerksamkeit als einem der ältesten Truppenteile in Europa verdient. Es wäre wünschenswert, wenn sich bald ein Autor findet, der die neuesten Entwicklungen bei dieser Garde und ihre Stellung innerhalb der Sicherheitskräfte des Vatikanstaates beschreibt.

Mit den Artikeln dieser Ausgabe soll deutlich werden, dass wir nicht nur an umfangreichen und sorgfältigst recherchierten Aufsätzen interessiert sind, sondern auch Fragen und Antworten unserer Leser veröffentlichen möchten. Mit der Information über das Radfahrersportabzeichen (aus einem entlegenen Randgebiet der Heereskunde) wird das Ergebnis einer beharrlichen Suche gezeigt, das andere bei ihren Recherchen ermutigen soll.

Nach diesem Rückblick wünschen wir unseren Lesern und Autoren ein nicht nur im Bereich der Heereskunde glückliches Jahr 2018.

Ulrich Herr und Werner Trolp


Militärgeschichte

Werner Knoll:
Zur Geschichte einer frühen preußischen Bildungseinrichtung

Abb.: Kadett und Unteroffizier.
Kopie nach: Adolph von Menzel, Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung, Berlin um 1900.
Da die meisten Eleven dem Kadettenkorps entstammten und ihre Uniformen sich glichen, ist diese Kopie hier aufgenommen.

Seit der Errichtung von Offiziersschulen am Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der Militärreformen in Preußen, die jeder Bewerber nach der militärischen Grundausbildung noch vor seiner Ernennung zu absolvieren hatte, war ihr Besuch für jeden Kandidaten zur unabdingbaren Voraussetzung geworden.Mit ihrer Einführung waren die führenden militärischen Kräfte den in der Praxis gewachsenen Anforderungen an den Bildungsstand des Offiziers gefolgt und die Schulen entwickelten sich zu einem festen Bestandteil des Militärwesens. Dem Beispiel Preußens folgten schließlich (mehr oder weniger) nicht nur die deutschen Einzelstaaten, sondern viele Länder mit einer geordneten Organisation der bewaffneten Macht. Zwar waren im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts im Gefolge der Errichtung stehender Heere Einrichtungen zur Ausbildung von Offizieren entstanden, weil die regierenden Fürsten die Notwendigkeit eines gewissen Bestandes an gebildeten Offizieren und dessen ständige Ergänzung erkannt hatten, die allein die Kadettenkorps auf Grund des jugendliche Alters ihrer Absolventen nicht decken konnten. [...]

Die bekannteste derartiger Schulen, zumeist als Akademien bezeichnet, ist die in der Festung Wilhelmstein, auf einer künstlich im Steinhuder Meer 1761/62 aufgeschütteten Insel, deren bekanntester Absolvent Gerhard Johann David Scharnhorst war. Die erworben Kennnisse gab er selbst als Lehrer weiter. Älter dagegen war die vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, (1620 – 1688) im Jahre 1655 in Zusammenhang mit seinen Plänen zur Errichtung eines stehenden Heeres gegründete Ritterakademie in Kolberg (Kolobrzeg), die auch nicht lange bestand. Am längsten, d.h. bis zu den Militärreformen in Preußen, existierte die von Friedrich II. gegründete Academie des nobles, in der Literatur auch unter dem Namen Academie royale des gentilhommes, Academie militaire oder Ecole militaire bekannt, wobei diese unterschiedlichen Bezeichnungen sich wiederholt auch in den die Akademie betreffenden Schreiben des Königs finden...


Militärbrieftauben

Ulrich Schiers:
Die Brieftaube und ihre Verwendung zum Nachrichtendienst

Abb.: Brieftaube im Gasschutzsack. Während eines Gasangriffs wird einer Meldetaube im Gasschutzsack eine Meldehülse angelegt. Die Tauben sind bei Beginn des Gasangriffs aus der Außenstation genommen und im Gasschutzkasten untergebracht.

Die Schnelligkeit und Findigkeit der Tauben haben von alters her den Gedanken nahe gelegt, sie zu zähmen und als Nachrichtenübermittler einzusetzen. Schon bei den alten Ägyptern meldeten die Seeleute, wenn sie von einer Reise zurückkamen, ihr bevorstehendes Eintreffen durch Brieftauben an. Im alten Rom wurden Brieftauben als Überbringer von Kriegsdepeschen eingesetzt. Im 7. Jahrhundert bestand in Persien eine öffentliche Taubenpost, welche sich im 12. Jahrhundert über Syrien und Ägypten ausdehnte. Auch bei der Belagerung Jerusalems durch die Kreuzfahrer kamen Brieftauben zum Einsatz. Mit den Kreuzfahrern gelangten die Brieftauben aus dem Orient nach Europa. Durch Kreuzungen verschiedener Rassen kamen durch die Zucht hervorragende Eigenschaften hervor, mit den man sie als Nachrichtenmittel einsetzen konnte. Doch wurden die Brieftauben in Europa zunächst meistens nur zivil verwendet. Militärische Bedeutung erlangten sie erst nach dem Krieg von 1870/71, als die Franzosen bei der deutschen Belagerung von Paris 354 Brieftauben, die mit einem Ballon nach außerhalb versandt wurden, zur Nachrichtenübermittlung einsetzten. Dieser durchschlagende Erfolg der nachrichtlichen Versorgung der eingeschlossenen Stadt veranlasste auch die deutsche Heeresleitung über den Einsatz von Militärbrieftauben nachzudenken...


Uniformkunde

Horst Oertle:
Tambouren der Schweizergarde

Abb.: Tambour der Päpstlichen Schweizergarde während des Pontifikats von Papst Leo XIII. (1878 bis 1903) in rot/weißer Galauniform. Ab 1850 wurde als Kopfbedeckung eine Pickelhaube mit weißem Helmbusch getragen. Die Trommel verfügte vermutlich über eine Messing-Zarge.[Zeitgenössische Darstellung: Archiv des Autors])

Wenn am Nachmittag des 6. Mai die Uhr des Apostolischen Palastes im Vatikan fünf geschlagen hat, unterbrechen Fanfaren jäh das Raunen der im Damasushof versammelten Zuschauer. Militärische Befehle und Trommelwirbel erschallen aus dem angrenzenden Cortile Sisto V. Unter dem Kommando des Oberstleutnants schreiten nun die Rekruten in Gran-Gala bedächtig im Feldschritt in den Innenhof des Papstpalastes. An der Spitze der Kolonne marschieren die Tambouren und Pfeifer und geleiten mit ihrem Spiel die jungen Schweizergardisten feierlich zur Eidesleistung.

Die Tambouren sind Teil des Spiels der Päpstlichen Schweizergarde, der banda musicale. Dieses formiert sich gemäß Gardereglement Art. 42 ad hoc aus den Angehörigen des Korps, die musikalisch über „die nötige Qualität“ verfügen. Der Kommandant bestimmt den Spielführer. Für ihre Tambouren kennt die Päpstliche Schweizergarde weder ein separates Reglement noch andere Richtlinien. Das Repertoire besteht im Wesentlichen aus den schweizerischen Ordonnanz-Märschen, dem Fahnenmarsch, der Schweizer- und der Franzosen-Tagwacht sowie – entsprechend dem Können der Tambouren – aus weiteren, anspruchsvollen Kompositionen. Je nach Korpsbestand stehen in der Regel zwischen zwei bis sechs Gardisten als Tambouren zur Verfügung....


Gerhard Große-Löscher:
Carl Campen. Oberbereiter und königlich hannoverscher Kavallerieoffizier
– Vorgestellt mit zwei Bildnissen –

Carl Campen ist eine der vielen Personen, die in Staatshandbüchern oder gar noch in anderer Literatur Erwähnung fanden. Dieser Carl Campen wäre für uns heutige Zeitgenossen zwischen den Buch- oder Aktendeckeln verblieben … wäre nicht ein kleines signiertes Bildnis im Dezember des Jahres 2016 auf einer Auktion aufgetaucht, welches von einem interessierten Sammler erworben wurde, der wiederum mit dem Verfasser dieser Zeilen über lange Jahre verbunden ist, gleichwie Herr Norbert Steinau vom Bomann-Museum Celle, der immer wieder nach entsprechender Korrespondenz engagiert liebenswürdige Hilfestellung leistet und Perspektiven aufzeigt, die auch, aber nicht nur aus den von ihm betreuten Sammlungen gespeist werden.

Abb.:
Sec. Lieutenant Carl Campen in der Uniform des 3. Göttingenschen Regiment Herzog von Cambridge Husaren.

Carl Campen wird auf dem feinst und akkurat ausgeführten Miniaturbildnis in der Offizieruniform des 3. Göttingenschen Regiment Herzog von Cambridge Husaren dargestellt. Auf der Rückseite des Bildes befindet sich die Zuschreibung und der Hinweis auf den Künstler „Carl Campen / gemalt in Göttingen / 1836 / vom / alten Maler Corsen“

Uniformkundlich ist zu bemerken, dass – der Datierung nach zu urteilen – Campen in seiner alten, bis ca. 1834 getragenen Uniform gezeigt wird. Beachtenswert ist die Pelzmütze mit dem Helmzierrat, den Auszeichnungsbandeaus „Peninsula/Göhrde/Waterloo“, hier unter der britischen heraldischen Krone. Dieser Helmbeschlag wurde mit dem Bildnis verkauft und kann hier im Bild gezeigt werden. Auffällig sind auch die vielen Fangschnüre mit Spiegeln und Quasten, einmal für den umgehängten Pelz und zum anderen für die Kopfbedeckung.

Mit der Militärreform 1833 unter König Wilhelm IV. (regierte von 1830 bis 1837) wurde die Organisation der Kavallerie geändert, d.h. u.a. reduziert und sämtliche Reiterei als Dragoner mit neuer Uniform und Kammhelmen formiert. Der junge Herr Campen, er war im Jahre 1836 erst 29 Jahre alt, hat sich vermutlich aus nostalgischen Gründen in der prachtvollen Husarenuniform malen lassen, um eine Erinnerung an seine ersten Jahre als Seconde-Lieutenant und Regimentsbereiter im 3. Husarenregiment zu haben.

Laut Taufeintrag wurde Carl Julius Christian Georg Campen am 5. Januar 1807 geboren...


Gerd Stolz:
Die Hoheitszeichen des Bundeskontingentes des Herzogtums Holstein
unter bundesunmittelbarem Oberkommando 1851

Die staats- und verfassungsrechtlichen Fragen sowie die politischen und militärischen Ereignisse werden in dem folgenden Beitrag nur insoweit angeführt, als sie zum Verständnis der uniformkundlichen Änderungen von 1851 notwendig sind; im Übrigen wird hinsichtlich des Deutschen Bundes und seiner militärpolitischen Ausgestaltung auf die Literatur-Hinweise und Anmerkungen verwiesen.

Als Herzog von Holstein und Lauenburg war der jeweilige König von Dänemark Mitglied des Deutschen Bundes seit dessen Gründung im Jahre 1815 auf dem Wiener Kongress. Die Eiderlinie2 als Grenze zwischen den Herzogtümern Holstein und Schleswig war somit zugleich die nördliche Grenze des Deutschen Bundes, denn das Herzogtum Schleswig gehörte nicht zum Deutschen Bund. Das oberste Organ des Deutschen Bundes war die unter dem Vorsitz des Vertreters Österreichs permanent tagende Bundesversammlung, deren Sitz und Tagungsort bis 1866 Frankfurt am Main war. Die Mitglieder des Deutschen Bundes behielten zwar ihre Souveränität weitgehend uneingeschränkt, waren jedoch an die Mehrheitsbeschlüsse der Bundesversammlung gebunden.

In seiner militärischen Ausformung war Deutsche Bund ein verteidigungspolitischer Zusammenschluss souveräner Staaten unterschiedlicher Größe und Geltung, doch lag die militärische Macht des Deutschen Bundes eindeutig in dem politischen Zusammenwirken Österreichs und Preußens.

Abb.:
Artillerie-Helm des Bundeskontingentes des Herzogtums Holstein aus dem Jahre 1851 in der Idstedt-Halle in Idstedt (Kreis Schleswig-Flensburg). Die Helmdekoration ist der achtstrahlige Stern mit dem holsteinischen Wappen (Nesselblatt) in der Mitte.
Die Kokarden sind in den holsteinischen Farben (rot-weiß).
[Foto: Ulrich Schiers, Klein Gladebrügge].

Als kontinental orientierter Block schuf sich der Deutsche Bund zu seinem militärischen Schutz nach Innen als auch Außen eine zahlenmäßig beachtliche Landstreitmacht, das Bundesheer. Den rechtlichen und politischen Rückhalt für die militärischen Regelungen und die daraus abzuleitenden Maßnahmen bot als Ergänzung zur Deutschen Bundesakte die Bundeskriegsverfassung gemäß den Beschlüssen der Bundesversammlung vom 9. und 12. April 1821. Sie enthielt detaillierte Bestimmungen zur Gliederung des Heeres, der Stärke der Waffengattungen, Bewaffnung, Ausbildung und Mobilmachung.

Alle Bundesstaaten – also auch Dänemark für die Herzogtümer Holstein und Lauenburg – beteiligten sich an dem Bundesheer mit Kontingenten, die bereits in Friedenszeiten aufgestellt und – einschließlich ausgebildeter Reserven – ständig einsatzfähig sein sollten. Die Streitkräfte des in zehn Armeekorps und eine Reserve-Infanterie-Division gegliederten Bundesheeres setzten sich zusammen aus dem Hauptkontingent, d.h. aus den stehenden Truppen der Mitgliedsstaaten, dem Reservekontingent, das in Friedenszeiten nur aus Kadern bestand, und einem Ersatzkontingent, für das jeder Bundesstaat im Kriegsfall zum Ausgleich der Verluste zu sorgen hatte. Das Bundesheer wurde in seiner personellen Stärke nach der Matrikel vom August 1818 aufgestellt, die ein Prozent der Bevölkerung betrug und nie geändert wurde.

Das Bundeskontingent des Herzogtums Holstein hatte ein Stärke von 5.400 Mann aller Waffengattungen, davon das Hauptkontingent 3.600 Mann, die Ersatzmannschaft und das Reservekontingent 1.800 Mann...