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Die »Zeitschrift für Heereskunde« Ausgabe 453

Juli/September 2014 - Auszüge 2 -

Ausgabe vergriffen!

Frank Langer:
Sekondelieutenant v. Scheven und Unteroffizier d. R. Fischer - Zwei Feldzugsteilnehmer von 1864 als Angehörige der 10. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 60

Die nach einem lebhaften Bietergefecht im Internet erworbene und rückseitig als „Feldzugsbild“ bezeichnete Carte de Visite (siehe Abb.) erweckte von Anfang an nicht nur mein Interesse. Die zusätzliche Namensangabe ermöglichte glücklicherweise die Überlieferung des Fotografierten bis in unsere Tage. Es handelt sich hier um den jungen Sekondelieutenant Curt von Scheven (geb. 1841 in Boblin, Pommern1), Angehöriger der 10. Kompanie des 7. Branden- burgischen Infanterie-Regiments Nr. 60.

Ein junges, erst durch die Heeres- reorganisation 1859/1860 aufgestelltes Infanterieregiment, welches seinen Ersatz aus den damaligen Kreisen Ober- und Nieder-Barnim, Teltow und der Stadt Berlin erhielt und damals im bevorstehenden Feldzug gegen Dänemark antrat, um „sich ebenbürtig den alten brandenburgisch-preußischen Regimentern an die Seite zu stellen, welche zu allen Zeiten und an allen Orten in unwandelbarer Pflichterfüllung ihre höchste Ehre, und in der Anerkennung ihres Allerhöchsten Kriegsherrn ihren höchsten Lohn gefunden haben“.

Abb.:
Sekondelieutenant Curt von Scheven, zeitgenössische Fotografie (Carte des Visite), aufgenommen zwischen August und Oktober 1864 [Sammlung Langer].

Dieser Antritt wurde den „60igern“ beim Überschreiten der Eider am 1. Februar 1864 im Zuge des genehmigten Vorrückens auf Schleswig gewährt, indem das Regiment „beim Dorfe Windeby eine dort standhaltende feindliche Abtheilung in kurzem Anlauf“ zurückwarf und somit „thatsächlich den Feldzug an dieser Stelle eröffnete“. Einen Tag später im Gefecht bei Missunde erhielt dann das gesamte Regiment seine Feuertaufe mit einem nicht unerheblichen Blutzoll von 21 Toten und 31 Verwundeten.

Hierzu nun die ersten Auszüge aus einer seltenen zeitgenössischen Quelle, den Briefen vom 3. und 9. Februar 1864 aus dem Briefnachlass des damaligen Reserveunteroffiziers und Korporalschaftsführer Ernst Fischer, Soldat, wie der Sekondelieutenant von Scheven, in der 10. Kompanie:

„Gestern waren wir zum ersten Mal bei Missunde im Feuer, konnten aber die Schanzen wegen Mangel an schwerem Belagerungsgeschütz nicht nehmen. Unser Regiment hat manchen Mann verloren. Ich bin unverwundet, doch flog mir eine Kugel gegen den Hacken des rechten Fußes, so daß er etwas anschwoll. […]

Wir rückten früh 4 Uhr aus Bornstein, einem Dorf vor Eckernförde, aus und marschierten auf der Chaussee längs der Ostsee durch Eckernförde. Beim Dorf Kosel war der erste Kampf, von dem wir nur die Schüsse hörten und Blutspuren später im Schnee sahen. Nachdem dort die Dänen geworfen waren, ging es weiter auf Missunde zu. Einen entsetzlichen Anblick gewährten uns beim Einrücken ins Gefecht die Verwundeten...“ ...

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Anmerkungen zur Abbildung:

Der junge Offizier trägt den Waffenrock der preußischen Linieninfanterie. Die Epauletten sind befehlsgemäß für die Dauer des Feldzuges abgelegt, damit die Offiziere vom Feind nicht auszumachen sind. Am linken Oberarm sichtbar die angelegte weiße Armbinde als gemeinsames Erkennungszeichen der österreichischen und preußischen Truppen während des Feldzuges. Als Kopfbedeckung trägt v. Scheven die Feldmütze ohne Schirm (auch „Offizierkrätzchen“ genannt), eine Kopfbedeckungsart, die im Felde von den Offizieren getragen werden durfte. Die Tuchhose ist feldzugstypisch in die bis an die Knie reichenden „langschäftigen Stiefeln“ hineingesteckt. Als Bewaffnung dient eine an dem 2 cm breiten Leibriemen getragene Faustfeuerwaffe. Da erst 1885 zur Feldausrüstung vorgeschrieben, war die Beschaffung derartiger Waffen eine Selbstinitiative, die aber oft durch die Regimenter übernommen wurde, indem diese durch Einkauf eines einheitlichen Revolvertyps am Markt in Vorkasse gingen (Vgl. Braumüller: Geschichte des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4, Berlin, 1901, S. 11). In der linken Hand hält er den für die Offiziere der Füsilierbataillone vorgeschriebenen „Füsiliersäbel“. Als einziges Ausrüstungsstück trägt v. Scheven eine Feldflasche. Es könnte sich hier um eine dänische handeln, die von den preußischen Truppen als Beutestücke sehr beliebt waren oder auch von dänischen Gefangenen (von den Preußen „Hannemänner“ genannt) käuflich erworben wurden. Auf der linken Brustseite des Waffenrockes der für „Düppel“ verliehene Roter-Adler-Orden 4. Klasse mit Schwertern am Kämpferband.


Jens Nguyen:
Das besondere Bild –
Porträt des russischen Zaren Nikolaus I. als Chef des Kürassier-Regiments Nr. 6

Abb.: Privatsammlung.

Vier besonders interessant erscheinende Aspekte des nebenstehend abgedruckten „besonderen Bildes“ sollen hier genauer beschrieben werden.

Bei dem Porträt handelt es sich um eine Chromolithografie, die als Weiterentwicklung der Steindrucktechnik, der sogenannten Lithografie gilt.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts stellte dieses Flachdruckverfahren die gebräuchlichste Drucktechnik dar, durch die detailreiche und ebenso künstlerisch anspruchsvolle Skizzen, Zeichnungen usw. in hohen Stückzahlen vervielfältigt werden konnten.

Eine mehrfarbige Reproduktion in hohen Auflagen war jedoch erst mit dem Aufkommen der Chromolithografie zu Beginn des 19. Jahrhunderts möglich. Zu den Profiteuren dieser neuen Drucktechnik gehörten in erster Linie die Naturwissenschaften wie beispielsweise die Botanik oder die Ornithologie, die ihre Forschungsergebnisse nun in wirtschaftlich akzeptablen Arbeiten publizieren konnten.

Der zweite interessante Aspekt ist in der dargestellten Person zu sehen...


Klaus-Ulrich Keubke:
Ein Dokument Mecklenburg-Schweriner Militärgeschichte - Urkunde über den Militärabschied von 1823

Abb.:
Urkunde für Johann Schumacher über den Abschied aus dem Militärdienst vom 25. April 1823. Links unten hat der Brigade-Chef Generalmajor von Both, rechts der Kommandeur des 1. Musketier-Bataillons Major von Pressenthin unterschrieben [Sammlung Stephan].